Endlich!!!
Nachdem wir die Highline bereits zum Zweiten mal aufgebaut hatten und somit knapp über 15 Stunden allein mit dem Set-Up der Line beschäftigt waren, schaffte Grischa die langersehnte Erstbegehung dieses Monsters.
Aber erst einmal die Vorgeschichte:
Alles begann mit einem Anruf vom Bayerischen Turnverband. Mir wurde damals mitgeteilt, dass wir die einmalige Möglichkeit hätten, eine urbane Highline über dem Dach des Olympiastadions in München zu spannen. Selbstverständlich sagten wir zu und freuten uns riesig darauf .
Der erste Versuch war mitte Mai. Wir trafen uns mit Helmar und Grischa um 9Uhr am Stadion und begannen motiviert mit dem Aufbau. Allein der Aufstieg nach oben, der über eine Leiter in den Pylonen führte, war kraftraubend. Die komplette Ausrüstung musste nach oben transportiert werden und leider war kein Platz in der Pylone um den Rucksack auf dem Rücken zu transportieren. Deshalb befestigten wir das 70m lange Seil am 30 kg Rucksack und zogen ihn mithilfe einer Umlenkrolle nach oben. Ehrlich gesagt, hatte ich nach dieser Aktion schon keine Lust mehr. Aber es kam noch schlimmer…das erste Bild, das die Highline vermittelte war: "Wie soll das denn möglich sein?" Erst jetzt waren all die Probleme offensichtlich, denn von unten dachten wir, es wäre alles einfach und unkompliziert. Die Line ist nicht auf gleicher Höhe. Wie sollen wir die Fixpunkte legen, denn ein Schaden wäre das sofortige Aus für diese Aktion gewesen. Wie schaffen wir eine Verbindung? Nach langem Hin und Her ging es voran und wir schafften nach ca. 4 Stunden die Verbindung zwischen den beiden Fixpunkten. Das Spannen der Line stellte sich als eine der größten Herausforderung seit langem heraus. Wir hatten nicht mehr als 4 Quadratmeter Fläche auf der wir uns einigermaßen gut bewegen konnten. Leider hing der Flaschenzug zu weit draußen und somit erschwerte das uns das Nachsetzen der Potenzierung. Da noch kaum Spannung auf der Line und der Redundanz war, konnten wir uns nicht einfach nach außen hangeln und alles klären.
Es war ca. 17 Uhr als ich mich zum Tapen aufmachte. Der Wind war so stark, dass ich die Line anfangs kaum festhalten konnte, da sie dadurch ziemlich aufgeschaukelt wurde. Nachdem auch das erledigt war, trafen wir uns alle unten und nahmen noch etwas Nahrung zu uns, um wieder zu Kräften zu kommen. Während dessen fing es an zu regnen! Es war irgentwie symbolisch für den ganzen Tag.
Alex machte dennoch ein paar Versuche, kam aber nicht sonderlich weit. Durch den Regen gewann die Line an Masse und somit verlor sie auch an Spannung. Da es noch Mitte Mai war, half uns die Kälte nicht sonderlich. Uns blieb nichts anderes als abzubauen und demotiviert nach Hause zu fahren, in dem Wissen den ganzen Tag umsonst geschufftet zu haben.

Dieses Wochende bekamen wir eine weitere Chance. Wir trafen uns um dieselbe Uhrzeit, unterzeichneten wie gewohnt die Papiere, die als Absicherung für die Olympia GmbH diente und legten sofort los. Wir profitierten deutlich vom letzten Mal, denn jetzt wussten wir, was auf uns wartete. Die Verbindung war schnell geschaffen und dieses Mal hatten wir einen LineGrip zum Spannen, welcher uns das Leben extrem erleichterte. Vielen Dank für das Ausleihen an Faith, Janek und Jordan. Absolut alles verlief nach Plan und die Line war gegen 15 Uhr bereit für ihre Erstbegehung. Nachdem wir die Reihenfolge festgelegt hatten, begann Alex als erster. Es war etwas schwer für ihn anfangs wieder das Feeling zu bekommen, da er seit dem Meteoratrip keine Highline mehr gelaufen ist. Nach ein paar guten Versuchen war Grischa an der Reihe. Er schaffte es im vierten Versuch und stieß einen lauten Freudenschrei aus. Wir alle freuten uns mit ihm, denn endlich wurden wir belohnt. Belohnt mit einer wunderschönen Begehung einer phänomenalen Highline im Herzen Münchens! Zurück schaffte er es im zweiten Anlauf. Gratulation!Danach war ich an der Reihe. Ich denke jeder, der oben auf der Pylone saß, bemerkte meine Nervosität. Vor dieser Line hatte und habe ich immer noch rießen Respekt, denn es ist eine einzigartige Location und dazu ist man extrem ausgesetzt. Beim ersten Go schaffte ich es bis zur Mitte, beim zweiten Versuch lief ich durch. Zurück gelang mir der Onsight. So glücklich bin ich schon lange nicht mehr gewesen…
Helmar war sichtlich angespannt, als er laufen durfte. Nach ein paar vielversprechenden Versuchen schaffte auch er es. Zurück gelang ihm auch der Onsight. Nach ihm war Alex wieder dran und nach einem großen Kampf holte er sich den Fullman. Gratulation an beide!
Es war ein sehr erfolgreicher Tag für alle und der Gedanke gerade eine 60,7m lange Highline über dem Olympiastadion gelaufen zu haben, machte den Tag noch schöner. Insgesamt betrachtet, haben sich alle Strapazen, die wir auf uns nehmen mussten, gelohnt! Hiermit möchte ich mich noch beim ganzen Team für die reibungslose Zusammenarbeit bedanken.
Vom 30.07. bis 01.08. werden wir beim SportScheck Outdoor Festival im Olympiastadion teilnehmen und das Highlinen präsentieren. Vielen Dank an den Bayerischen Turnverband und die Olympia GmbH , die es uns ermöglichten, diese Highline zu spannen. Dank auch an Andi und Mike für die schönen Bilder.